Chronik

Brunnen- bzw. Leitungsplan im Jahre 1830

Die Füssener Wasserversorgung begann wie damals üblich mit Quellbrunnen und Brunnen, die über teilweise oberirdische Holzleitungen die Bürger mit Wasser versorgten. Die ersten Unterlagen für derartige öffentliche Anlagen stammen aus dem Jahr 1802. Aus dem städtischen Archiv stammt folgendes Schreiben vom 05. April 1802: „ Im Jahre 1802 wurden über die Deichelleitung aus dem Faulenbacher Tal 3 herrschaftliche, 12 gemeinsame städtische und 49 ganze bürgerliche Brunnen versorgt.“ Die Leitungen befanden sich aber oft in einem kärglichen Zustand, froren immer wieder ein und die Feuerlöschleistungen waren entsprechend schlecht. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Wasserversorgung der heutigen Altstadt, wie aus alten Dokumenten zu entnehmen ist, immer weiter ausgebaut.
Bis 1861 hatte Füssen ungefähr 1.600 Einwohner; mit dem Bau der Sailerwarenfabrik, der eisernen Lechbrücke und des Schlosses Neuschwanstein nahm die Bevölkerungszahl sprunghaft zu. Gleichzeitig wurde Füssen als Luftkurort bekannt. Der Zustrom der Gäste erhöhte ebenfalls den Wasserbedarf.

Aus dem Jahr 1896 stammt ein Gutachten des königlichen technischen Büros für Wasserversorgung im bayerischen Staatsministerium des Innern über die öffentlichen Brunnen in der Stadt Füssen. Darin heißt es:
„ Zurzeit werden von der Faulenbacher Leitung 11, von der Ziegelwies Leitung 8 öffentliche Brunnen mit ständigem Ausfluss gespeist. Davon waren 2 Brunnen als Zierbrunnen ausgebildet. Mit Ausnahme der beiden Zierbrunnen wurden die übrigen öffentlichen Brunnen bei dem Neubau der Wasserversorgungsanlage der Stadt in den Jahren 1897/98 beseitigt. Neben der Neufassung der Quellsammlungs- und Sammleranlagen wurden alle Rohrleitungen in Eisenleitungen verlegt, ein Hochreservoir von 250 + 30 m³ Inhalt auf dem Baumgarten geschaffen, der deshalb von dem Herrn von Freyberg angekauft wurde und insgesamt 382 Anschlussleitungen samt Wassermessern für Privatanschlüsse verlegt.“

 

1897
Die Kollegien haben beschlossen, auf Anregung des Verschönerungsvereins ein der
landschaftlichen und architektonischen Umgebung des Baumgartens anpassendes
Portal zum Hochreservoir für die neue Wasserleitung nach einer von Herrn
Architekten Beckmann in München gefertigten Handskizze mit Grotte, Bassin
und einem kleinen Bach ausführen zu lassen.

 

 

 

Wasserschloss „Baumgarten“ um 1900

Um 1900 gab es bereits ein weit verzweigtes Versorgungsnetz. 1909 wurde an der Kemptener Straße ein elektrisch betriebenes Pumpwerk mit 7,5 Sekundenliter Förderleistung mit einem 175 mm Druckstrang erbaut und ein Hochbehälter auf dem Kobel angelegt. Die neue Erweiterungsanlage wurde am 31. Mai 1910 von der Stadt übernommen. Der Kobelbehälter wurde als 2-Kammer-Hochreservoir mit einem Fassungsvermögen von 500 m³ ausgebildet.
Die damalige Wasserversorgung bestand bis zur Eingemeindung von Hopfen und Weißensee aus drei, von einander unabhängigen Versorgungsgebieten mit Quellbrunnen im Faulenbacher Tal, in der Ziegelwies, in Thal und weiteren Einzelquellfassungen für Einzelanwesen. Zwischen 1934 und 1936 wurden die Quellen in Weißensee-Thal erschlossen, Brunnen am Lechufer in Ziegelwies 1956 erstellt und 1966 in Hopfen eine Versorgung aus dem Gemeindegebiet von Rieden angelegt.

Im Zusammenhang mit der Eingemeindung der Orte Hopfen und Weißensee wurde in den Jahren 1978 bis 1980 (mit Fortschreibung 1986) ein neues Versorgungskonzept erarbeitet. Ziel dieses Plans war es, die Einzelwassergewinnungen und –versorgungen aufzugeben und das ca. 400 ha große Versorgungsgebiet mit etwa 16.000 Einwohnern zentral mit einwandfreiem Trinkwasser zu versorgen. Das Gesamtvorhaben wurde seit 1980 stufenweise ausgebaut und ist etwa 1997 abgeschlossen worden.

Pumpwerk

Zum heutigen Stand der Wasserversorgung Füssen finden Sie mehr Informationen unter der Rubrik Wasserversorgung.

 

 

 

 

frühere Regen- und Küchenabwasserableitungen

Vor über 100 Jahren fand eine gezielte Abwasserableitung bzw. Reinigung nicht statt. Sämtliches Schmutzwasser wurde ungereinigt in nahe Gewässer eingeleitet oder den häuslichen Versickerungsanlagen zugeleitet. Mit der beginnenden Industrialisierung um 1900 wurde bald erkannt, dass die Gewässer den immer stärker anfallenden Abwassermengen nicht mehr gewachsen waren. Zwar wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Füssen mit dem Bau von Kanalleitungen begonnen, aber eine gezielte Reinigung der Abwässer fand nicht statt. 1936 wurde die Planung einer mechanischen Kläranlage für Füssen-West in Angriff genommen, diese aber bedingt durch den Kriegsbeginn nicht vollzogen.

 

 

Fotomontage des Forggensees auf historischer Landkarte

Anfang der 50ziger Jahre gab es in Füssen 5 getrennte Kanalisationsanlagen. Aufgrund der ungünstigen Geländeverhältnisse wurden bis zu diesem Zeitpunkt die Abwässer der Stadt Füssen nicht in eine Zentralkanalisation zusammengefasst. Mechanische Kläranlagen gab es damals nur in Bad Faulenbach und der Ziegelwies. Damalige große Gebiete wie die Altstadt, Füssen-West oder auch das Weidach entwässerten ihr Schmutzwasser ungeklärt in den Lech oder in die Weißenseer Ache. Erst mit dem Bau des sog. „Roßhauptener Speichers“ (dem heutigen Forggensee) und auf Initiative der übergeordneten Behörden wurde mit dem Bau zweier Kläranlagen (Füssen-West und Ost) begonnen. Mit der Gründung des Abwasserzweckverbandes Füssen 1976 und dem damit verbundenen Neubau einer Kläranlage 1983 wurde die Abwassersituation auf einen modernen, zukunftorientierten Stand gebracht. Mit der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie haben die EU-Staaten seit dem Jahr 2000 zum Schutz der Gewässer verbindliche Umweltziele festgelegt. In Bezug auf die Abwasserbeseitigung signalisieren diese Richtlinien, dass das erreichte Niveau als Grundvoraussetzung gesichert und in einigen Bereichen sogar weiter verbessert werden muss. Nähere Hinweise zum aktuellen Stand finden Sie im Bereich Abwasserbeseitigung.

Die Wasser- und Abwasserversorgung der Stadt Füssen wurde schon früh in kommunale Hände gelegt. Ab 01. April 1957 waren das Städtische Wasser- und Kanalwerk zu einem einheitlichen Wirtschaftsbetrieb zusammengefasst. 1980 wurde das Betriebsvermögen des Städtischen Kanalwerks dem städtischen Haushalt zwischenzeitlich wieder zurückgeführt. Der Startschuss für die Gründung der Stadtwerke Füssen fand im Jahre 1997 statt. Mit Stadtratsbeschluss vom 25.11.1997 wurde der bisherige Eigenbetrieb „Städtisches Wasserwerk Füssen“ zum 01.12.1997 aufgelöst und durch die Geschäftsbereiche Abwasserbeseitigung und Parkierung ergänzt und zum 01.01.1998 in „Stadtwerke Füssen“ umbenannt. Die Wasserversorgung (WVS), Abwasserbeseitigung (AWB) und Parkierungsanlagen (PKA) sind in diesem Eigenbetrieb seitdem zusammengefasst.

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